AUFTAKT

 

DIE GASTSPIELWERKSTATT 2. - 3. März 2017

Zwei Gruppen, ein Programm: TANZLAND. Der Fonds für Gastspielkooperationen richtet sich an die Tanzensembles sowie an die Bühnen der INTHEGA. Sie sind aufgefordert, langfristige Gastspiel-Kooperationen einzugehen. Zwei Gruppen mit vielen Fragen und großen Plänen.

Zwei Gruppen, die sich kennen lernen. Vermittelt durch TANZLAND entwickelt sich zum ersten Mal nicht nur eine langfristige Kooperation zwischen einzelnen Bühnen und Ensembles sondern auch zwischen der Bundesdeutschen Ballett und Tanztheaterdirektoren Konferenz BBTK und der INTHEGA. In der Interessengemeinschaft der Städte mit Theatergastspielen sind 375 Bühnen in kleineren Städten und Gemeinden organisiert, die sich langfristig als wichtige Partner für eine kontinuierliche und nachhaltige künstlerische Arbeit der Tanzensembles anbieten. Das  Förderprogramm TANZLAND eröffnet neue Perspektiven der Zusammenarbeit.


„Durch TANZLAND kann sich die Tanz-Landkarte im deutschsprachigen Raum verdichten. Neben den 60 festen Tanz-Städten und den bereits vorhandenen Theatern, die regelmäßig Tanztheater präsentieren, sollte es zukünftig in der Fläche ein Netz von Spielstätten geben, die Tanz kontinuierlich in ihren Spielplänen zeigen. An sehr vielen Gastspieltheatern, insbesondere kleinen und mittleren Häusern, gibt es den Bedarf und das Bedürfnis nach Tanz und nach gegenwärtigen künstlerischen Ausdrucksformen.
Werner Müller, TANZLAND-Jury, Intendant und Regisseur am Stadttheater Fürth

Wir sind die ersten Schritte ins TANZLAND gegangen: 18 Ensembles, feste und freie, zeitgenössische Klassik und performatives Experiment auf einer Bühne. Drei Minuten für jeden, nicht lang, aber Zeit genug, um sichtbar zu werden, um die Handschrift jeder Kompanie aufscheinen zu lassen. Mit ihnen auf der Bühne in Hamm, nah und auf Augenhöhe: Theaterleiter*innen und Theatermacher*innen, verantwortlich für die Bespielbühnen der INTHEGA. Ein guter Anfang für ein Programm, das neue Verbindungen für den Tanz knüpfen will.

Die Gastspielwerkstatt in Hamm am 2. und 3. März hatte viele Aufgaben: Es ging darum, sich kennen zu lernen und sich zu präsentieren, um neue Kontakte, Impulse und die Suche nach der richtigen Partnerschaft für die TANZLAND-Förderung. Aber es ging auch um die konkreten Fragen zur Förderung und den Zielen von TANZLAND.  Denn eines wurde sehr schnell deutlich: TANZLAND ist Neuland – für beide Seiten.
Denn beide Seiten, die Bühnen wie auch die Ensembles, verlassen mit TANZLAND das gewohnte Terrain. Obwohl die INTHEGA Bühnen seit vielen Jahren nahezu ausschließlich Gastspiele organisieren stellt das Programm TANZLAND sie vor neue Herausforderungen. Sie versorgen nahezu 12 Millionen Menschen in Städten und Kommunen jenseits der Metropolen mit Kunst und Kultur und bieten dazu ein breites Angebot von Theater, Tanz und Kleinkunst auf ihren Bühnen. Ihre Bühnen sind so vielfältig und verschieden wie die Städte und Regionen in denen sie beheimatet sind. Ungewohnt für ihre Programmplanung ist die Verpflichtung, sich durch TANZLAND auf drei Jahre an ein Ensemble zu binden. Wie fügt sich die Gastspielkooperation in das restliche Angebot des Hauses und in die Struktur der Abonnements? Wie reagiert das lokale Publikum auf den immer wieder kehrenden Gast?

„Wenn Sie Intendant einer INTHEGA Bühne sind, lade ich Sie ein, sich von der Kunst leiten und verführen zu lassen. Seien Sie neugierig auf Neues und geben Sie Ihre Neugierde an Ihr Publikum weiter. Die Menschen in Ihrer Stadt vertrauen Ihnen. Wenn Sie der Kunst vertrauen, sind Sie der beste Kunstvermittler und werden Ihr Publikum durch Ihre Begeisterung anstecken.“

Tarek Assam,TANZLAND-Jury, Ballettdirektor der Tanzcompagnie Gießen am Stadttheater Giessen und Sprecher der BBTK

„Wir haben mit TANZLAND ein Programm, das Tanz ausdrücklich in die Fläche bringt. Denn es gibt in der Republik viele Theater, die ihre Tanzcompagnien verloren haben, und in vielen Städten und Regionen wird Tanz überhaupt nicht mehr angeboten. So geht ein Kulturgut verloren. Daher ist es extrem wichtig, dass die Bühnen von den Ensembles bespielt werden. Umgekehrt haben die Ensembles, die Subventionen erhalten, meiner Meinung nach eine Verpflichtung, ihre Kunst zu verbreiten. Das empfinde ich als eine Art kulturelle Fürsorge-Pflicht, der wir unbedingt nachkommen sollten. Zwischen den Bühnen der INTHEGA und den Ensembles gab es zuvor nur selten Kontakte, nur wenige Begegnungen und Schnittstellen. Ich finde es sehr wichtig, dass das Programm sich Zeit lässt um in vielen Gesprächen die Chancen der Zusammenarbeit herauszuarbeiten und zu entwickeln. Denn es gibt so viele großartige Bühnen und Städte in der Republik, die wir bespielen können. Niemand sollte sich durch technische Bedingungen abschrecken lassen. Wer Tanz einladen möchte, der sollte dies unbedingt tun, ob in einer Schulaula oder auf einer Theaterbühne.“
Dr. Christiane Theobald, TANZLAND-Jury, Stellvertretende Intendantin und Betriebsdirektorin Staatsballett Berlin



In ganz Deutschland gibt es 2060 Städte und 11.054 Gemeinden. In sechzig davon arbeiten feste Tanzensembles an den Stadt- und Staatstheatern. Freie Ensembles ergänzen das Angebot aber dennoch haben die meisten Menschen keinen direkten Zugang um Tanz live zu erleben und kennen nicht die aktuellen Produktionen der Ballett- und Tanztheaterkompagnien. Ab und zu gastieren Ensembles in ihren Bürgerzentren und Bespieltheatern, doch nur selten entstehen daraus kontinuierliche Verbindungen.
Doch auch für diese Menschen tanzen die festen Ensembles. Jedes feste Ensemble ist verpflichtet, den Menschen Zugang zur Kunst und zum Tanz zu ermöglichen. Nicht nur in den Metropolen und Großstädten mit ihren vielfältigen Bühnen und Angeboten, sondern gerade in den kleinen Städten und Gemeinden ist es wichtig, eine kontinuierliche und nachhaltige künstlerische Arbeit zu etablieren.
Wird es den Ensembles gelingen, das Publikum vor Ort von ihrer Arbeit zu überzeugen? Und wie fügen sich die zahlreichen Gastspiele in die Disposition der Stadt- und Staatstheater, deren dichte Spielplanraster nur wenig Spielraum für zusätzliche Aktivitäten lassen.
Und wie kann es gelingen, eines der zentralen Ziele von TANZLAND umsetzen: ein neugieriges Publikum für den Tanz zu gewinnen, das langfristig Interesse hat an zeitgenössischem Tanz?

Der Fonds TANZLAND kann fördern und beraten, kann Kontakte knüpfen und Netzwerke stärken, doch die konkrete Arbeit geschieht vor Ort. Zusammen mit zahlreichen lokalen Partnern sind die Ensembles und die INTHEGA-Bühnen aufgefordert, beispielhafte Aktionen zur Tanzvermittlung zu entwickeln, die das Publikum nachhaltig für zeitgenössische Tanz- und Kunstformen interessieren.

TANZLAND fördert Gastspielkooperationen zwischen Tanzensembles und INTHEGA-Bühnen,
die länger als eine Spielzeit andauern,
die mehrere Gastspiele auf der INTHEGA-Bühne anbieten,
die aktiv und beispielhaft Publikumsarbeit und Tanzvermittlung mit lokalen Partnern entwickeln,
Für diese Kooperationen werden durch den Fonds TANZLAND bis zu 80% der  Kosten übernommen.